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►Die Psalmen
metrisch übersetzt von Adolf Brecher
Wien: Wilhelm Braumüller k.k. Hofbuchhändler 1864
Wortstimme:
"Gebet von Moscheh, dem Manne Gottes.
Herr! Die Geschlechter all hindurch,
warst du uns eine feste Burg.
Bevor noch ein Gebirg entstand,
bevor noch kreiste Welt und Land,
seit Ewigkeiten, Gott bist du,
und bleibst es Ewigkeiten zu.
Du führst zum Staub den Menschen nieder,
"Ihr Söhne Adams kehret wieder"
Sprichst du, den ein Jahrtausend wie
Der Tag von gestern, der versinkt,
Wie eine einz'ge Nachtwach' dünkt."
(90. Psalm)
Zum Buch:
Das Vorwort datiert Olmütz, October 1863
Die Notwendigkeit, eine neue Psalmenübersetzung zu schaffen, obwohl diese seit Mendelssohn bereits vielfach zum Gegenstand von Übertragungen gemacht wurden, begründet Brecher mit dieser Doppelaufgabe: Er will die für die hebräische Poesie charakteristische Eigentümlichkeit, nämlich den Parallelismus der Verse, die besondere Gliederung derselben in zwei oder mehrere korrespondierende Teile in eine demgemäße deutsche Poesie übertragen. Der Gefahr, daß durch diese Poesie eher Nachdichtungen und Paraphrasierungen resultieren, will er durch eine starke Annäherung an das hebräische Original entgegentreten. -- Der vorliegende Kleinoktavband ist kartoniert, aber die Qualität der Fadenheftung hat ein Auseinanderbrechen der Bindung bis jetzt verhindert. Gedruckt ist, wie zu jener Zeit üblich, in Fraktur. Brecher hält sich konsequent an die kolometrische Darstellung, wie oben wiedergegebene Wortstimme zeigt. Verszahlen stehen in der Marginalie. Kommentare oder sprachliche Anmerkungen sind nicht beigegeben.
Zur Person:
Nahe der mährischen Stadt Olmütz (heute Olomouc, Tschechien) geboren, -- aus Proßnitz (heute Prostějov) stammten übrigens auch der Philosoph Edmund Husserl und der Orientalist Moritz Steinschneider -- besuchte Brecher die Gymnasien von Preßburg und Prag, widmete sich dann Talmud / Torahstudien und schliesslich der Medizin an den Universitäten Nikolsburg/ Mähren und Prag. Als Arzt praktizierte er bis zu seinem Tod in Olmütz, wo er auch Vorsitzender der jüdischen Gemeinde war. Er schrieb unter anderem unter dem vielsagenden Pseudonym Ritter Kax der Unerschöpfliche.
Zu bemerken sei, daß der katholische Erzbischof der Erzdiözese Olmütz am fin de ciècle ein getaufter Jude war: Dr. Theodor Kohn (1845 - 1915). Er war 1871 zum Priester geweiht worden und leitete die Diözese von 1892 bis zu seinem krankheitsbedingten Ausscheiden 1904. Er hatte auch eine außerordentliche Professur an der dortigen theologischen Fakultät inne. Ob Brecher und Kohn sich kannten oder gar miteinander kommunizierten, entzieht sich meiner Kenntnis......

Der "Tempel", die Synagoge von Olmütz (zeitgenössiche Postkarte)
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