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Mittwoch, den 03. Dezember 2008 um 10:43 Uhr
Brod, Max (* Prag, Tschechei 3. Siwan 5644 / 27. Mai 1884 
                                                        29. Kislew 5729 / 20. Dez. 1968 Tel Aviv , Israel)

 

 

 

 

 

 

 

Das Lied der Lieder
Neu übertragen aus dem Hebräischen.
Von Max Brod
München: Hyperionverlag (1921) 6. – 10. Tausend / Frühjahr 1923

Reihe: Miniaturbuch

Wortstimme:
„Lege mich wie einen Siegelring an dein Herz,
wie einen Siegelring an deinen Arm!
Denn stark wie der Tod ist Liebe,
schwer wie die Unterwelt Leidenschaft,
ihre Gluten Feuergluten, eine Flamme Gottes!
Viele Wasser können die Liebe nicht auslöschen
und Ströme überfluten sie nicht.
Wollte einer alles Gut seines Hauses hingeben um Liebe,
man würde ihn doch nur verachten."
(Kap. 8)
 
 
Zum Werk:
Sechs mal neun cm handtellergroß ist das Miniaturbuch vom Hyperionverlag, kartoniert und in Fraktur gedruckt. Brod ordnet den Text neu, Kapitel- und Verszahlen sind weggelassen. 38 Seiten Text stehen 26 Seiten Anmerkungen („Vom Diesseitswunder und der Liebe“) und Begründung für die Neuordnung gegenüber. Das Schema der Aneinanderreihung der 19 Textfragmente wird für den Leser nachvollziehbar erklärt. Brod verbietet sich, den Text umzudichten, sondern will „unter Zurückgreifen auf ältere Übersetzungen aus dem Urtext neu übersetzen“.
Joseph >Carlebach, der orthodoxe Rabbiner aus Hamburg, rezensierte Brods Übertragung in der Zeitschrift Jeschurun (März / April 1923) mit folgenden Worten: »In jüngster Zeit hat ein Dichter dem Liede sich zugewandt, und Sulamith hat „sein Herz gewonnen schon mit einem ihrer Augen, mit einer Perle ihres Halsgeschmeides". Er fühlte, dass hier das grosse "Diesseitswunder" des Judentums seinen letzten Ausdruck gefunden, und er versuchte sich die rätselhafte Runenschrift des Buches zu entziffern. Aber der spröde Stoff will seinen Schleier nicht enthüllen. Da muss eine seltsame Voraussetzung der Phantasie des Poeten eine Brücke bauen: das Lied sei in falscher Komposition überliefert. Der Verfasser selbst oder der Redaktor, um das Mysterium zu wahren, habe die Verse bunt durcheinandergewirbelt, wie eine altdeutsche Runenleserin die Buchenstäbe ihres Zauberspruches durcheinanderwirrt bis zur Unkenntlichkeit.; hat auch wohl zwei Verse zusammengeklebt, die nicht eine Einheit bilden, auch einzelnes mehrfach wiederholt, damit das Wirrnis noch grösser werde; hat dann das ganze Werk „auf einen Ton zu stimmen" versucht, um dadurch den Kern und Angelpunkt der ganzen Handlung zu „verwischen", nämlich den Konflikt zwischen echter und falscher Liebe. ... So wird man über den Brodschen Deutungsversuch dasselbe Urteil fällen,.... : die Hauptsache, die entscheidenden Wendungen fehlen im Buche; und wenn der Dichter Brod auch zu streichen vermochte, hinzudichten lässt sich leider nichts." -- Zu Carlebachs eigener Übersetzung siehe dort.
Der Hyperion Verlag war 1920 als Verlag für den Nachdruck jüdischer bibliophiler Werke von Abraham Horodisch, Moses Marx und Hermann Meyer gegründet worden.

Diese Lieddichtung aus der hebräischen Bibel findet sich außerdem in folgenden beiden Buchausgaben:

 

 
Brod, Max

►Heidentum Christentum Judentum
Ein Bekenntnisbuch.
Zweiter Band
München: Kurt Wolff Verlag 1921. 4.-8. Tsd. 1922
 
 

 

 
Thieberger, Friedrich (Hsgbr), unter Mitwirkung von Rabin, Else

Jüdisches Fest / Jüdischer Brauch
Ein Sammelwerk

(Berlin: Jüdischer Verlag 1936)
(2. Ergänzte und verbesserte Auflage 1967.) Nachdruck 1976.
(Neuauflage): (Frankfurt am Main: Jüdischer Verlag 1997)

 

Zu Max Brod:
Bekannt geworden als Nachlassverwalter und Herausgeber der Werke von Franz Kafka (1883-1924), war Brod einer der wichtigsten deutsch- jüdischen Dichter. Sein Programm war kulturzionistisch, „..Nicht nur das Judenproblem: der ganze Jude ist mein dichterisches Problem“ (Zitat: M. Brod). Einige seiner bekanntesten Werke sind: Tycho Brahes Weg zu Gott (1915), Das Gelobte Land (1917) , Juden Deutsche Tschechen (1918).
Mit F. Kafka, Leo Perutz und F. Werfel gehörte er einem Prager literarischen Zirkel an. Er verließ Prag in buchstäblich letzter Minute vor dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht 1939 mit dem Ziel Eretz Israel. Er war Dramaturg am hebräischen Theater „Habimah“. In Israel entstanden Werke wie „Diesseits und Jenseits“ (1948), Franz Kafkas Glauben und Lehre (1948) und „Der Meister“ (1952), ein historischer Roman, in dem die Gestalt Jeschuas von Nazareth lebendig dargestellt wird (Witten: Eckart- Verlag 1960 und öfter).
Durch die Mitgliedschaft in der zionistischen Prager Studentenvereinigung "Bar Kochba" lernte Brod auch Martin >Buber kennen, der dort zu Vorträgen über das Thema »Praktischer Zionismus« eingeladen war (Prager Kreis).
 
 
Zu Franz Werfel siehe auch die Gedenktafel unter dem Autoren Tagger, Theodor

 


 

 

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