| ►Das Hohelied
übertragen und gedeutet
(hebr./dt.)
Frankfurt a/ M: Hermon Verlag o.J. (1931)
Wortstimme:
"So leg’ wie einen Siegelring /
Ganz fest mich an dein Herz, /
Wie einen Siegelring / Fest mich um Deinen Arm! /
Denn stark ist wie der Tod die Liebe, /
Gleich Höllenqual so schrecklich Liebesnot.
/ Des Feuers Glut sind ihre Gluten, /
Die Flamme Gottes!
Die Wasser alle können nicht
Die Liebe löschen,
Und Ströme werden nimmer weg sie schwemmen.
Wollte einer geben
All seines Hauses Gut
Als Preis für Liebe,
Verächtlich würd' man seiner lachen."
(VIII 6-8)
In der Zweimonatsschrift »Jeschurun« hatte der zur Orthodoxie gehörige Rabbiner Carlebach 1923 in mehreren Folgen das Hohelied bereits ausführlich kommentiert. Darin setzt er sich unter anderem auch mit Max >Brods Übertragung und Wetzsteins Einschätzung (bei >F. Delitzsch) auseinander. Diesen Kommentar hat er in sein Buch übenommen. Zur Kritik an Brods Textumstellung siehe dort. Eingeleitet ist das Buch mit einem Auszug aus dem Midrasch Rabba, worin drei namhafte rabbinische Autoritäten, Akiba, Eleasar ben Asarjah und Schimeon die Kanonizität des Schir haSchirim diskutieren. Innerhalb des Bibeltextes ist jedes Kapitel nochmals eingeleitet. Hebräischkenntnisse sind von Vorteil, denn die hebr. Begriffe und Wendungen im Kommentar sind häufig anzutreffen und unübersetzt gelassen. Am Schluß des Buches finden sich noch zwei Anhänge: "Goethes Urteil über das Hohelied" sowie "Moderne Versuche zur Deutung des Hoheliedes".--
Aus bibliophiler Sicht ein wunderschön gemachtes Buch!! Unten dazu mehr.
►Das Buch Koheleth
Ein Deutungsversuch
(mit Übersetzung)
Frankfurt a/ M.: Hermon Verlag 1936
Wortstimme:
"Alles hat Er zwar für die rechte Zeit schön gemacht,
hat auch die große Sicht auf Welt und Ewigkeit in uns eingepflanzt.
Und doch wird nimmer der Mensch des großen Gotteswerkes
von Anfang bis Ende Herr.
So erkannte ich, daß bei allem nichts Gutes ist als nur,
sich zu freuen und sich in seinem Leben eine guten Stunde zu bereiten.
Allerdings ist für jedermann essen, trinken und Freude haben können
auch nur ein Geschenk, das von Gott abhängt."
(Kap. 3: 11-12a)
Zu diesen beiden Werken:
Obwohl beide Titel aus dem gleichen Jahrzehnt und demselben Verlag stammen, sind sie äußerlich sehr unterschiedlich aufgemacht: Das Hohelied ist im Quart- Format mit breiter Marginalie hergestellt; der gesamte Text einschliesslich des Hebräischen und der deutschen Übersetzung je auf eigener Seite dreifach gerahmt und in Antiqua gedruckt.
Das Buch Koheleth ist weitaus kleiner in Oktav gemacht; die Marginalien messen je ca. 45 mm. Der Text ist, wie bei dem o.g. Werk, für diese Zeit eher unüblich, in Antiqua gedruckt; möglicherweise wollten sich die jüdischen Verlage in ihren Publikationen von den deutschen unterscheiden.
Carlebach schrieb zum «Rätselbuch Koheleth» eine mehrseitige Einleitung. Der anschliessend übersetzte Bibeltext ist in Sinnabschnitte gegliedert und sparsam beverst. Darauf folgt jeweils ein Kurzkommentar. Sprachliche Anmerkungen sind eher selten, darin kommen die Autoritäten des rabbinischen Judentums wie z. B. Raschi zu Wort. Am Schluß des Buches ist ein Essay mit dem Titel " Koheleth im wechselnden Urteil der Zeiten" geschrieben.
Zur Person:
Als Sohn des Lübecker Rabbiners Dr. Salomon Carlebach geboren, schlug Joseph C. ebenfalls die Rabbinerlaufbahn ein. Über Gersonides (1288 – 1344) schrieb er seine Doktorarbeit. Er amtierte in seiner Heimatstadt, in Altona und schliesslich, bis zu seiner Deportation durch die Nationalsozialisten 1941, als Oberrabbiner in Hamburg. Er war ein charismatischer Lehrer, Redner und Wissenschaftler. Seine Ausbildung hatte er am Berliner Rabbinerseminar erhalten. Er lehrte von 1905 -1907 in Eretz Israel und von 1915–1920 in Litauen, dem damaligen Zentrum der jüdischen Gelehrsamkeit. C. trat entschieden gegen die ausgemachte Unterlegenheit des Judentums gegenüber dem Christentum und der vermeintlichen „menschlichen Vernunft“ ein. Carlebach gehörte dem traditionellen, gesetzestreuen Judentum an, dessen unumstrittener Führer der Frankfurter Rabbiner Samson Raphael Hirsch war. Er war ein Bewunderer der Philosophie von Franz Rosenzweig, aber auch ein Kritiker des „modernen Sophistikers“ Martin Buber. Seiner Schaffenskraft wurde ein jähes Ende gesetzt: 1942 wurden er, seine Frau und seine drei jüngsten Töchter im Stadtwald von Riga bei einer Massenerschießung ermordet.
Carlebach schrieb außerdem folgendes Einleitungswerk (ohne Übersetzung):
Die drei grossen Propheten Jesajas, Jirmija und Jecheskel
Eine Studie.
Frankfurt am Main: Hermon-Verlag, 1932
Nachdruck: Hildesheim: Olms Verlag 1982, zweiter Nachdruck: Basel: Verlag Morascha 1994
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