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Jerusalemer Bibel siehe > Herder- Bibel

Neue Jerusalemer Bibel siehe >Einheitsübersetzung / Ökumenische Üs.

Die "Jerusalemer Bibel" ist im Gegensatz zur landläufigen Meinung keine Bibelübersetzung, sondern ein Kommentar- und Verweisstellenapparat, der ursprünglich aus Frankreich stammt (École Biblique der Dominikaner in Jerusalem). Dafür wurde eine eigene französische Übersetzung angefertigt: "La Bible de Jérusalem" ab 1956. Dieser Jerusalemer Bibelkommentar existiert mittlerweile in diversen Sprachen. Auch für den englischsprachigen Raum wurde zum Kommentarteil 1966 eine eigene Übersetzung hergestellt: "The Jerusalem Bible" by Darton, Longman & Todd. Diese wurde 1966 mit einer in Westminster ausgestellten Imprimatur versehen.

Das traf für den deutschsprachigen Raum nicht zu. Hier hat der Verlag Herder seine bereits 1965 edierte Üs nach "Herders Bibelkommentar, Die Heilige Schrift für das Leben erklärt" zur Verwendung gebracht. Das heißt, die deutsche Ausgabe der Jerusalemer Bibel benutzt den Text der Herder- Bibel, der 1968 eigens dafür überarbeitet wurde. Die erste Auflage der Jerusalemer Bibel erschien also 1968.
Diese kommentierte Ausgabe hat seither Kultstatus, und das nicht nur bei den Katholiken, sondern darüber hinaus. Der protestantische Autor des Buches >Neue Bibelübersetzungen vorgestellt, verglichen und gewertet", Robert Steiner, (siehe Bibliographie) äußerte sich 1975 darin: "Die Jerusalemer Bibel ist in jeder Hinsicht eine erstaunliche Leistung. Wir haben auf evangelischer Seite nichts gleichwertiges an Übersetzung, Einleitung und Erklärung in einem Band anzubieten."
Von der gebundenen Gesamtausgabe AT/ NT wurden insgesamt bis 1983 siebzehn Auflagen gedruckt; es existierte darüberhinaus noch eine NT- Teilausgabe in dunkelgrünem Karton. Auch diese erlebte diverse Auflagen.
Ab 1985 wurde diese Studienbibel als Neue Jerusalemer Bibel mit überarbeitetem Material wieder neu aufgelegt. Diesmal allerdings mit dem Text der Einheitsübersetzung. Auch die englische Ausgabe, The New Jerusalem Bibel, erschien 1985 (wiederum bei Darton, Longman & Todd) neu mit komplett überarbeiteter Übersetzung.
Wer in den einschlägigen Foren, vor allem der römisch- katholischen Fraktion, blättert, wird ersaunt darüber sein, daß die Neue Jerusalemer Bibel mit dem Text der Einheitübersetzung das Renomée der Herder- Ausgabe nicht erreicht hat. Das mag zum Großteil daran liegen, daß bei den konservativ eingestellten katholischen Bibellesern (die soll es tatsächlich geben) die Einheitsübersetzung nicht sehr beliebt ist. Möglicherweise hat sie einen zu ökumenisch bzw. liberal geprägten Touch oder es stört das farblose Aufsatzdeutsch. Die Pattloch- oder Herder- Bibel werden oftmals bevorzugt.
Die von 1968 bis '83 aufgelegte Erstausgabe wird in den Antiquariatsräumen zum Teil zu fantastischen Preisen gehandelt. Bis zu € 150.- sind verlangt; das bedeutet keineswegs, daß nicht auch günstige Angebote existieren. Der Schreiber dieser Zeilen hat 2009 eine schier makellose Urauflage für € 3.- (in Worten: drei !) in einem Karlsruher Antiquariat gekauft.
Wie oben bereits gesagt, genießt die JB in vielen Kreisen Kultstatus. Das ist angesichts des gelieferten Materials verständlich. Problematisch wird es spätestens dann, wenn nicht nur der Bibeltext, sondern auch die Kommentierung für der Weisheit letzter Schluß genommen werden. Das hat der Vf. so selbst diverse Male in Diskussionen und Bibelrunden erlebt. Die seit knapp 200 Jahren grasierende Bibelzerschneidung, vor allem die Dokumentenhypothese für den Pentateuch (Quellen J, P, E und R) werden in der JB als veröffentlichte und nicht disputierbare Fakten akzeptiert. Daß darüber seit Jahrzehnten mit Recht heftig gestritten wird, ist scheinbar nicht überall bekannt. Mittlerweile sind - und das ist vor allem in den Hyperkommentaren des >HThKAT (Herder's Theologischer Kommentar zum AT) zu erlesen- die Endredaktionen der jeweiligen Bücher von Relevanz und nicht der linguistische Befund der jeweiligen hypothetischen Erzählstränge J, P, E R. (Wie so etwas aussieht, kann in der Hexateuchsynopse von Otto Eißfeld, einem der Zerschneidungsspezalisten, nachgelesen werden).
Da die JB als imprimierte Bibelausgabe solche Theorien weiterhin propagiert, werden diese auch vom bibellesenden Volk, egal ob mit akademischen Titeln behaftet oder nicht, für Wahrheit genommen. Das ändert nicht unbedingt etwas an der gelungenen Gesamtkonzeption des Werkes. Auch hier soll gelten, daß man "prüfe und das Gute behalte".
Wer also, ob er dieser oder jener Denomination angehören mag, eine alte JB mit dem profilreicheren Text der Herder- Bibel findet, der zögere nicht, sie zu erwerben.
Zuletzt aktualisiert am Montag, den 02. Mai 2011 um 19:53 Uhr
 

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