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Donnerstag, den 07. April 2011 um 17:54 Uhr
  Kowalski, Abraham Schlomo         ר' אברהם שלמה קובלסקי ז"ל
                            (*Warschau, Polen Cheschwan 5660/ Nov. 1899 Zürich/ Schweiz 20. Siwan 5735/ 30. Mai 1975)
                                                                                                              Schochet, Rabbiner
 
Psalme von König David
  Mit Übersetzung (hebr./ deutsch)
 Herausgegeben von Schochet Abraham S. Kowalski, Zü. durch
 David= Verlag Basel
 Basel/ Schweiz: Verlag zur Verbreitung jüdischen Schrifttums 1943
 
ק   Wortstimme:
 1. Dem Meister auf dem Saitenspiel.
   Eine Unterweisung. Von David. -- --
2. Als die Sifiten kamen und sprachen zu Saul:
   Siehe! David hält sich verborgen bei uns.
3. Gott, in deinem Namen rette mich
  und in deiner Stärke schaffe mir mein Recht.
4. Gott, höre mein Gebet, horche auf die Worte
   meines Mundes.
5. Denn Barbaren stehen auf wider mich,
   Wütriche suchen meine Seele,
   sie stellen Gott sich nicht vor Augen. Selah.
6. Aber siehe, Gott ist mir ein Helfer,
   der Herr ist meines Lebens Stütze.
7. Das Übel kehrt zurück auf die, die auf mich
   lauern, in deiner Treue wirst du sie vernichten.
8. Dann spende ich Opfer dir, preise deinen Namen
   Gott, der du so gütig bist.
9. Denn aus aller Drangsal hat er mich gerettet,
   und an meinen Feinden hat mein Auge
   Lust geschauet.
Psalm 54
 
 
Zum Buch:
Dieses sehr seltene Exemplar im Format 12° ist anonym, also ohne Übersetzerangabe "in der Schweiz gedruckt". Ein Vergleich zeigt, daß die Übertragung des Hamburger Reformrabbiners Gotthold >Salomon aus 1837 als Vorlage diente.
Die Hebraica ließt sich, wie üblich, von hinten; der davon abgetrennte deutsche Text von vorne. Der Buchtitel fällt auf durch das unüblich geschriebene >Psalme<. 
Besonderheit ist, daß Salomons deutsche Übertragung nicht in Fraktur, sondern fortlaufend auf knappen 111 Seiten in Antiqua gesetzt ist; ob dieser Schriftsatz durch den David= Verlag so hergestellt wurde, wäre zu recherchieren. (Die Salomon'sche Bibelausgabe wurde jedenfalls nur in Fraktur gemacht.)
Der deutsche Übersetzungsteil beginnt nicht mit dem Buchtitel, sondern mit einem programmatischen Aufruf:
Aufruf zum Weltgebet --  Eine ernste Botschaft an die Menschheit! Unseres Schicksals Wende!
Sehr realistisch beschreibt Kowalski die Schrecken des Krieges, das Überhandnehmen des Bösen, wobei er seine Volksgenossen nicht direkt anspricht, sondern alle seine Leser, die natürlich in der Hauptsache Juden gewesen sein dürften. Die Geschehnisse vergleicht er mit einer zweiten Sintflut. Die Frage, ob das so sein muß, ob dieser Kelch geleert werden müsse, beantwortet er mit einem klaren "Ja"!. Gott gibt durch sein Geschehenlassen diese klare Antwort: Tod, Not, Kummer und Hunger seien Gottes Zuchtruten, da ja die Menschen in ihrer Sünde keine andere Sprache mehr verstehen wollten. Ausführlich wird diese Diagnose an den Leser herangetragen. Überraschenderweise läßt Kowalski dennoch den Ausweg durchklingen: "Die Frage zum Ende lautet: Gibt eine Rettung? Findet solche Not und solches Elend denn kein Ende? Muß der bittere Kelch denn wirklich bis zum letzten Restchen ausgetrunken werden? Gott erbarme dich unser!" Kowalski tröstet: Und Gott wird sich unser erbarmen!
Das vertrauensvolle Beten der Psalmen und das gleichzeitige sich Stellen unter Gottes Schutz wird dazu beitragen, daß Haß und Streit sich in Liebe und verständnissvolles Zusammenleben verwandeln. Endlich schreibt er: " Gott wird uns nicht verlassen, denn sein Wort gilt auch heute noch. Denn bei dir ist die Quelle des Lebens und in deinem Licht sehen wir das Licht. (Ps. 36,10) [Dieser Psalm ist hier nicht nach Salomon, sondern nach Luther, z. B., zitiert.] Durchdrungen von der Hoffnung auf die nahe Gotteshilfe will Kowalski alle Gläubigen aller Konfessionen, Gemeinden, Städte und Kantone vereint im Gebet wissen mit dem himmlischen Aufruf: "Tut Buße und bekehret Euch!" [Hier hat der Zürcher Schochet eine Anleihe bei der Apostelgeschichte genommen und Schimon Kefas Aufforderung zur Umkehr zitiert; ähnlich aber auch Jeremia 31.] Dieser bemerkenswerte Abschnitt ist durch folgende zu Ohren gegebene Worte abgeschlossen: "Betet in der Not -- so hilft Euch Gott. Des Schicksals Wende ist nahe!
Soweit die zu Papier gebrachte Hoffnung des eidgenössischen Juden Abraham Kowalski mitten im 2. Weltkrieg.
 
Am Ende des Psalmenteils schließen sich drei Gebete an: eines um Erhaltung der Gesundheit, eines um Dank nach überstandener Krankheit sowie ein sogenanntes Weltgebet "Mensch erwache!"
Am Ende  des deutschsprachigen Teils betet der Leser das "Sch'ma Jisroel", (5. Mose 6:4) hebräisch & deutsch, das der Schochet in Abänderung des traditionellen Wortlauts folgendermaßen bringt:
 »Höre Jisrael, unser Gott wird anerkannt werden von allen Völkern der Erde, als einziger Gott.«
Weiterhin ist ein Zitat des Propheten Zefania 3: 9 angefügt:
        »Ja, dann wandle ich den Völkern ihre Lippe zu einer lauteren um, daß sie allen anrufen den Namen
        des Ewigen, daß sie ihm dienen einmütig.«
 
 
Zur Person:
Abraham Schlomo Kowalski wurde Ende 1899 im polnischen Warschau geboren, hatte dort geheiratet und kam 1920 mit seiner Frau und zwei Kindern als Schochet nach Zürich, betrieb also eine Schlachterei, in der rituell nach den Vorschriften der Kaschrut geschächtet wurde. In Zürich kamen nochmals drei Kinder zur Welt. Abraham Kowalski hatte auch das Rabbinerdiplom und betreute während Jahren jüdische Gefängnisinsassen. Dadurch konnte er gute Beziehungen zu kantonalen Regierungsmitgliedern aufbauen, was anscheinend während des Krieges sehr hilfreich war. --
Als Textvorlage für sein Psalmenbuch besorgte er sich die Übersetzung des Hamburger Reformrabbiners Gotthold Salomon; in der Folge gab es
über diese Wahl in der orthodoxen jüdischen Gemeinde Agudas Achim einen heftigen Streit (Orthodox vs. reformiert!).
Oben genanntes Psalme- Buch soll in 2000 Exemplaren gedruckt und von Kowalski alleine finanziert worden sein.
Abraham Schlomo Kowalski starb Mitte der 70er Jahre in Zürich. Begraben ist er in Jerusalem.
(Für diese Information (mit Ergänzungen vom Vf.) bin ich René Loeb, Ehrenpräsident der Schweizerischen Vereinigung für Jüdische Genealogie, zu außerordentlichem Dank verpflichtet!)
Der Name Kowalski rührt aus der polnischen Stadt Kowal in der Woiwodschaft Kujawien-Pommern. Nach der Zweiten Teilung Polens von 1793 bis 1807 gehörte es zur Provinz Südpreußen; während der deutschen Besatzungszeit 1939- 45 wurde der Ort in »Freistadt« umbenannt und war dem Landkreis Leslau (Reichsgau Wartheland) zugeordnet. Möglicherweise stammten die Kowalskis ursprünglich aus dieser Stadt
 
Weitere Informationen über Kowalskis Schalchterei etc.:
(Auszug aus: Wirtschaftsinformationen by Orell Füssli)
JÜDISCHE GENOSSENSCHAFTSMETZGEREI "MACHSIKEJ-EMUNOH". NACHF. ABRAHAM S. KOWALSKI.
St. Jakob Str. 56, 8004 Zürich. Eingetragen 25. Februar 1931
 
Weiterhin existiert im Archiv für Zeitgeschichte der ETH Zürich ein Hinweis über eine Sekretariatsakte
»Auseinandersetzung zwischen Abraham Kowalski (Schochet) und der Jüdischen Gemeinde Agudas Achim betr. Anstellung in der Genossenschaftsmetzgerei« [im Zeitraum] 1948 - 1956.
 
Wer immer mit weiteren Rechercheergebnissen - vor allem zum David Verlag - einen Beitrag leisten kann, der melde sich bitte beim BB!! Danke!
 
 
Aus diesem bis dato unbekannten "David - Verlag" ist noch ein weiterer Titel "aufgetaucht", über den zur Zeit leider noch nichts näheres bekannt wurde:
 
¶ Pentateuch*.
Basel: David-Verlag, Verlag zur Verbreitung jüdischen Schrifttums 1943.
Hebräisch-Deutsch. 340 Doppelseiten und Anhang bis 520 [4] S. (Kommentar in Hebräisch). Ln.

* In der altehrwürdigen Übertragung von Leopold Zunz. Die unpaginierten Seiten: Melodie der Lobsprüche nach der Haftarah.
(Anzeige aus einem Antiquariat; der Titel war aber schon abverkauft)
 

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