May, Benjamin (*Westhofen, Elsaß........1882 ......Mai1929 Frankfurt / Main)Dr. phil; Lehrer, Rabbiner
Levy, Josef Benjamin(*Friedrichsort / Holstein...........1870 ............1950 New York, N. Y. USA)Kantor, Lehrer
Portal der Synagoge Westhofen/Elsaß, dem Geburtsort von
Benjamin May.
Die hebräische Inschrift
Ps 118: 20
זה־השער ליי
צדקים יבאו בו
übersetzt
Wolf Heidenheim:
"Dies ist die Pforte des Ewigen,
Gerechte treten da ein!"
►Die Psalmen
(Übersetzungen bzw. Bearbeitungen von verschiedenen Autoren, herausgegeben)
Frankfurt a. M. (Rödelheim): Druck u. Verlag von M. Lehrberger & Co. 1915. Zweite Auflage
(3. Aufl. 1916)
Wortstimme:
"Lobet den Herrn! Lobet, ihr Diener Gottes,
Preiset des Ewigen Namen!
Der Name Gottes sei gepriesen von nun an bis in Ewigkeit.
Von Sonenaufgang bis zu ihrem Niedergang sei gelobt des Ewigen Name. —
Erhaben über alle Völker ist Gott, des Herrlichkeit die Himmel überraget.
Wer ist gleich dem Ewigen, unserm Gotte,
der so erhaben thronet, mit seinem Blick durchdringet
die Himmelsräume und der Erde Tiefen?
Er richtet aus dem Staube auf den Armen,
erhebt aus tiefster Erniedrigung den stillen Dulder,
um ihn zu setzen neben Edle, neben die Edlen seines Volkes.
Er belebt das Haus der Kinderlosen, läßt sie frohe Mutter werden.
Lobet den Herrn!"
(Psalm 113 nach May)
Zum Buch:
Dieses kleine Buch, gebunden im Duodez- Format, ist im Kriegsjahr 1915 herausgegeben und möglicherweise als Konkurrenz zum Psalmenbuch aus »Lamm's Jüdischer Feldbücherei« gedacht ( M. >Sachs), denn lediglich ein Psalm aus der Feder von Rabbiner Sachs, dessen Üs. aus der Zunz- Bibel für diese Ausgabe der Feldbücherei übernommen wurden, ist enthalten.
Im Vorwort, in Frankfurt a. M. geschrieben, bemerken die beiden Herausgeber unter anderem: "...heben wir uns bemüht, aus den in großer Zahl vorhandenen deutschen Übertragungen die besten auszusuchen, haben, wo diese den sicheren Ergebnissen immer fortschreitender Forschung widersprachen, die Übersetzung, und, unserm jetzigen Sprachempfinden entsprechend, auch öfter den Ausdruck geändert.In größerer Zahl verwendbar erschienen Übertragungen von Fürst, Herder, Mendelssohn, Salomon und Stein ..... Als Kommentare benutzten wir Raschi, Malbim mit Mezudath David, und von Neueren: Baethgen, Gesenius, Gunkel, Heilmann, Hirsch, Kautzsch = Weizsäcker, Riehm u. a.
Alle Pss sind übersetzt, Verzahlen nicht gesetzt. Nach jedem Kapitel ist der ursprüngliche Übersetzer genannt, so nach Ps. 1 z. B. "Mendelssohn" oder etwa bei Ps. 42 / 43 "nach Herder". Einige Kapitel sind von den jüdischen Herausgebern selbst ins Deutsche hinübergesetzt worden; daraus ist die WS entnommen. Ein Vergleich mit der Pss.- Üs von G. >Salomon z. B. zeigt, daß dessen Texte durchaus einer Bearbeitung unterzogen wurden.
Es existiert zwar am Schluß des gut 220 seitigen Buches ein Inhaltsverzeichnis der Psalmen. Was jedoch fehlt, sind Quellenangaben zu den Werken der Übersetzer, wie eben (Leopold ?) Stein, (C.) Seligmann, und (J.) Goldschmidt. Letztere drei etwa sind die Herausgeber von Sidduren (Gebetbücher); daraus excerpiert die Psalm. Nicht abschließend identifiziert ist der nur mit Nachnamen benannte Stein. Es kann sich um den unterfränkischen Rabbiner Leopold Stein handeln; einiges spricht dafür; oder um den evangelischen Liederdichter Carl (Charles) Stein, der 1870 folgenden Titel herausgab: >Auswahl leichter und beliebter geistlicher Lieder und Psalmen aus den Oratorien, Cantaten und anderen Werken<; erstgenannter Rabbiner ist jedoch zu favorisieren.
Außerordentlich bemerkenswert an dieser Ausgabe ist die Tatsache, daß hier konfessionsübergreifend "gesammelt" ist: die beiden jüdischen Herausgeber haben sich nicht gescheut, auch nichtjüdische Stimmen zu Wort kommen zu lassen: Den Protestanten Johann G. Herder, ebenso ein Kap. des evangelischen Hebraisten August Wünsche. Wer weiß mehr? Jüdischen Kreisen ist dieses Büchlein vielleicht deshalb auch recht unbekannt. Im Lauf von über zehn Jahren hat der Sammler nur eben zwei Exemplare dieser bemerkenswerten Edition zu Gesicht bekommen, obwohl mindestens drei Auflagen gedruckt wurden.
Nach Erstellung eines Index ergibt sich folgendes Bild:
Von Julius Fürst stammen 19 Pss,
von Josef Israel Goldschmidt: (*....1849 .....1924): 1
von Wolf Benjamin Zeev Heidenheim (* Heidenheim / Mittelfr. 1757
23. Feb. 1832 Rödelheim / Hess.): 4
von Johann Gottfried Herder: 15
von Salomon Herxheimer: 1
von Josef Benjamin Levy: 1
von Benjamin May: 7
von Moses Mendelssohn: 38
von Nehemia Anton (?) Nobel: 2
von Ludwig Philippson: 4
von Michael Sachs: 1
von Gotthold Salomon: 39
von Caesar Seligmann: 4
von Feodor Spanjer: 1
von Leopold Stein: (*Burgpreppach/ Ufr. 5. Nov. 1810 2. Dec. 1882 Frankfurt a. M.): 13
von August Wünsche: 1
Stolperstein: Anna Gutmann - Olga Wertheimer
Im Buch ist eine handschriftliche Widmung eingetragen:
Zu den Herausgebern, B. May:
Student am Rabbinerseminar in Berlin; später daselbst Lehrer an jüdischen Mittelschulen; 1921 - 29 Lehrer am Philanthropin Frankfurt a. M.; Mitglied im "Misrachi", einer zionistischen Vereinigung.
Synagoge am Börneplatz im hessischen Frankfurt; Wirkungsort von Joseph B. Levy
(Gemälde von Max Beckmann 1919) Die Synagoge wurde 1882 eingeweiht
und 1938 von Nazis bis auf die Grundmauern abgefackelt.
Zu Person Joseph Benjamin Levy:
Stationen: Hilfslehrer Lehrerseminar Hannover; Lehrer und Kator in Hamburg; ab 1896 Kantor Synagoge Börneplatz Frankfurt/ M.; 1921- 1938 Lehrer am Philanthropin Frankfurt /M.; Präsident der Bnei- Brith- Loge Frankfurt; 1939 Auswanderung nach den USA; Herausgeber des Gebetbuches >Schaarei Tefillah". Schrieb eine Autobiographie "Mein Leben in Deutschland vor und nach 1933".