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►Alles was Odem hat
Nachdichtung der Psalmen
Buxheim / Iller: Martin Verlag 1957
Imprimatur: -----
Wortstimme:
"Du unsre Zuflucht gestern
und unsre Hilfe jetzt,
uns Menschenbrüdern, Schwestern
die Zuflucht bis zuletzt.
Denn eh die Welten standen,
eh Hall und Widerhall,
war schon dein Herz vorhanden
und lauschte in das All.
Dein Sein hat keine Grenzen
zurück und vor ins Nichts,
dazwischen ist dein Glänzen,
du Meer, du Gott des Lichts.
Vor dir gehn die Äonen
als kurzer Tag dahin,
und die auf Erden wohnen
sind nur ein Hauch darin."
(Psalm 89 V)
Zum Buch:
Der Oktavband, gebunden, fadengeheftet und mit SU, bringt auf 230 Seiten eine recht freie Übertragung der 150 Psalmen; bei manchen ist der Text erweitert, bei anderen verkürzt, so etwa beim 118. (V). Alle Texte sind strophisch gesetzt, Verse nicht gezählt. Weinrich erklärt in seinem gut zweiseitigen Vorwort "gut katholisch", daß er noch eine weitere Übersetzung vornimmt, die von der «noch weithin unerleuchteten Denkart des Alten Bundes in die des Neuen Bundes, also in das "Wissen, daß wir vom Tode zum Leben gekommen sind", aus dem wir u.a. nicht mehr mit David fordern: „Herr, gib es ihnen!", sondern mit Davids göttlichem Sohne flehen: „Herr, vergib!"» Die Übertragung versucht durch "eine uns vertraute Metrik und den Reim" den Psalmtext für das gebet leichter behaltbar zu machen.
►Die Psalmen Deutsch
Aschaffenburg: Paul Pattloch Verlag 1968
(Gütersloh: Bertelsmann 1969)
Imprimatur: München 1968
Wortstimme:
"Herr, du bist uns Zuflucht gewesen,
unser Zuhause von Geschlecht zu Geschlecht.
Ehe die Berge geboren wurden,
der Erde Umkreis stand,
von Unvordenklich bist du, Gott,
und so auch unausdenkbar hin.
Zum Staub kehrst du die Menschen wieder,
heißt diese gehn und neue kommen.
Vor dir sind tausend Jahre nur ein Tag,
gehn wie das Heute hin zum Gestern,
wie eine Wache in der Nacht."
(Psalm 90)
Zum Buch:
"Eine herrliche Neudichtung der Psalmen ist hier gelungen", so Prof. Dr. Otto Karrer im Vorwort. Dazu sei ein persönliches Wort erlaubt: Karrer hat Recht! Diese Psalmenübersetzung wurde in Freud und vor allem im Leid erprobt und hat sich als ausgezeichnet betbar erwiesen. Weinrichs Sprache ist emotional und bildhaft wie kaum eine andere, wobei er hier ganz neu und weitaus wörtlicher übersetzte als in seinem ersten Opus. Als Textgrundlage ist (unausgesprochen) die Hebraica verwendet, alle Verse sind gezählt; zu den 5000 im Original enthaltenen sind etwa 30 zur Aufhellung dunkler Stellen ergänzt. Wer immer die Chance hat, solch eine Ausgabe zu erhalten, der zögere nicht !! (Im März '09 waren noch genügend Exemplare, meist die Lizenzausgabe von Bertelsmann für ab ca. € 5.- antiquarisch im Angebot.) Die Aschaffenburger Edition ist in kl. 8° gemacht, gebunden und fadengeheftet. Alle Texte sind strophisch und versweise gesetzt. Ein gut vierseitiges Vorwort schrieb ein anderer namhafter katholischer Psalmenübersetzer: Univ.- Professor Dr. theol. Alfons >Deissler. Ein weiterer Sachkundiger, Prof. Dr. theol. Otto >Karrer aus Luzern verfasste eine vielseitige Einführung, u. a. zur Geschichte des Buches der Psalmen im alten Israel.
Zur Person:
F. J. Weinrich gehörte zum Bund Katholischer Expressionisten "Der Weiße Reiter". Er schrieb vorwiegend Mysterien- und Legendenspiel für kirchliche Anlässe sowie religiöse Erzählwerke, Lyrik, Biographien und Hörspiele. Er wohnte u.a. in Freiburg i. B. und im alemannischen Breisach.
Auszug aus: Bernd Kortländer: Religiöse Dichtung am Niederrhein im 19. und 20. Jahrhundert
Ebenfalls noch im weitesten Sinne aus dem Einflußbereich Sonnenscheins und seiner Freunde ist der Ansatz des Neusses Dichters Karl Gabriel Pfeill zu sehen, der zu Pfingsten 1919 zusammen mit einer Gruppe von Gleichgesinnten in Neuss eine Bewegung mit dem Namen „Der weiße Reiter. Jungrheinischer Bund für kulturelle Erneuerung“ aus der Taufe hob und im folgenden Jahr eine Publikation unter dem Titel „Der weiße Reiter. Das erste Sammelbuch“ herausbrachte. Nach dem Ende des 1. Weltkrieges und dem Auslaufen der expressionistischen Bewegung gewann die christlich inspirierte Dichtung wieder deutlich an Zugkraft unter den Autoren, übrigens im gleichen Maße, in dem die Lyrik als Gattung an Bedeutung verlor. Man suchte verstärkt nach dem „Heiligen“ in der Welt, das vielleicht in der Lage sein könnte, angesichts von Chaos und wachsender Inhumanität so etwas wie Führung und Richtung vorzugeben. ... In der Praxis der Zeitschrift sah das so aus, daß neben historischen Texten und Abhandlungen (von Brentano, Novalis, Katharina Emmerick, Augustinus, >Guardini) jüngere christliche Dichter mit ihren Texten, meist Gedichten, stehen. Dazu gehören u.a. Franz Johannes Weinrich (mit dem größten Gedichtanteil), der herausragende Konrad Weiss mit zwei eindrucksvollen Beiträgen, Ernst Thrasolt, in dessen „Heiligem Feuer“ Pfeill bereits früher publiziert hatte, Leo Weismantel (mit einem Dramenauszug), Josef Winckler und Pfeill selbst. Die Gedichte sind durchweg religiösen Inhalts, teilweise im Gebetton gehalten, teilweise auch in der allegorischen Form, wie sie typisch ist für die moderne katholische Literatur.
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